Analyse: Saison auf der Zielgeraden

tobi-redaktionTobi
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Die Tennissaison neigt sich mit dem Start der Hallenturniere dem dramatischen Ende entgegen. Im Rennen um die letzten Tickets für die ATP Finals in Turin und das Jahresabschlussturnier der WTA in Guadalajara müssen noch einige Fragen in den kommenden Wochen geklärt werden.

Die überraschenden Titelgewinne von Cameron Norrie und Paula Badosa in Indian Wells stellten ein weiteres unmissverständliches Zeichen für die längst eingesetzte Wachablöse im Welttennis dar. Immer mehr Premierensieger setzten sich in diesem Jahr bei großen Events durch, aufstrebende junge Spieler etablieren sich 2021 endgültig in der Elite.

Mit dem Start der Indoor-Season lohnt sich ein genauerer Blick auf die noch ausstehenden Wochen im Turnierkalender, die fünf brennende Fragen aufwerfen:

  1. Schaffen es Norrie und Badosa zu den ATP bzw. WTA Finals?
  2. Kann Daniil Medvedev seinen Lauf von 2020 wiederholen?
  3. Wie wird es Emma Raducanu in der Indoor-Saison ergehen?
  4. Wird Ons Jabeur weiter Geschichte schreiben?
  5. Wer vom Trio Medvedev, Tsitsipas und Zverev hebt sich ab?

1.) Schaffen es Norrie und Badosa zu den ATP bzw. WTA Finals?

Sie haben definitiv Chancen, was zu Beginn der Saison wohl kaum jemand vorhergesagt hätte. Vor allem die Spanierin agierte lange unter dem Radar, nachdem sie in Australien ein strenge Quarantäne absitzen musste und letztlich das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres aufgrund einer Covid-19-Infektion in Melbourne verpasste.


Der Tweet, in dem Badosa ihren Sieg in Indian Wells vermeldet.

Cameron steht aktuell auf Position zehn im ATP Race to Turin, wo das Saisonfinale der Herren erstmals ausgetragen wird. Effektiv belegt der 26-Jährige sogar Rang neun, da der achtplatzierte Rafael Nadal sein Tennisjahr bereits beendet hat. Auf den letzten Fixplatz, den derzeit Hubert Hurkacz einnimmt, fehlen dem Briten schlanke 160 Punkte. 1000 Zähler sind beim Rolex Paris Mastres zu vergeben, davor tritt der Indian-Wells-Champion noch beim 500er-Event in Wien an.

Es gibt also noch einiges zu holen. Vom auf Nummer elf positionieren Jannik Singer bis zum auf Platz 16 gereihten Denis Shapovalov kann sich jeder mit Masters-Gewinn in Paris-Bercy noch ins exklusive Feld von Turin spülen.

Auch Badosas Aussichten für den diesmal in Guadalajara stattfindenden Jahresabschluss der WTA-Tour sind gut. Die bald 24-Jährige liegt aktuell auf dem die Teilnahme berechtigenden achten Platz, zudem dürfte die Weltranglistenerste Ashleigh Barty auf ein Antreten in Mexiko verzichten. Und bis zu den Finals bieten sich weitere Gelegenheiten, das Punktekonto aufzufüllen.

2.) Kann Daniil Medvedev seinen Lauf von 2020 wiederholen?

daniil medvedev

Daniil Medvedev

Zur Erinnerung: In der letztjährigen Indoor-Season hatte der Russe nach einer Schwächeperiode seine Form wiedergefunden. Auf den Triumph in Paris-Bercy folgte der Titel bei den ATP Finals in London. Seine unfassbare Siegesserie wurde erst nach 20 Matches im Finale der Australian Open gestoppt, mit dem ersten Major-Triumph bei den US Open mutierte der 25-Jährige endgültig zum größten Herausforderer der Big Three.

Auf einen Start beim Heimturnier in Moskau verzichtete der nach seiner New Yorker Sternstunde etwas ermattete Medvedev. Obwohl er durch die Absage praktisch keine Hoffnungen mehr hat, die Saison als Nummer eins zu beenden, könnte der 13-fache Tour-Gewinner auf die ihm entgegenkommenden Indoor-Courts mit einem positiven Gefühl ins neue Jahr starten.

3.) Wie wird es Emma Raducanu in der Indoor-Saison ergehen?

Der selbst für die Britin sensationelle Triumph bei den US Open ist noch in frischer Erinnerung, doch bleibt die 18-Jährige ein noch zu schleifender Rohdiamant, der über wenig Tour-Erfahrung verfügt. Fast jedes Turnier stellt für die Abiturientin ein neues Abenteuer dar. In Indian Wells verlor sie ihre Auftaktpartie, daraufhin zog sie ihre Nennung für den Kremlin Cup in Moskau zurück.

infoBeobachter erkennen in Raducanu schon jetzt einen zukünftigen Superstar, unvermeidliche Rückschläge werden ihr auf dem Weg nach oben aber kaum erspart bleiben. Schließlich muss der Teenager erst sein Leben als Grand-Slam-Champion neu einstellen und sich an die Unerbittlichkeit des WTA-Circuits gewöhnen – ganz abgesehen von der Beanspruchung ihrer Zeit, die enorm ausfallen wird.

Raducanu verfügt aber über ein grandioses Tennis sowie einen klugen Kopf. Allein die Möglichkeit, weitere Erfolge einzufahren, dürften dank ihrer Unbekümmertheit zu Genussprojekt werden. Ihre nächsten Stopps absolviert die Nummer 24 der Welt in Cluj und Linz, mit ihrer offensiven Spielanlage sollten ihr die Indoor-Courts liegen.

4.) Wird Ons Jabeur weiter Geschichte schreiben?

Die Tunesierin hievte sich durch ihren Semifinaleinzug in Indian Wells zur ersten arabischen Tennisspielerin in den Top 10, derzeit nimmt sie Platz acht im WTA-Ranking ein. Im Race findet sie sich auf Rang neun wieder, eine Qualifikation für die Finals in Mexiko wäre ebenfalls ein Novum für arabische Profis.

Einzug in die Top 10: Grund genug, auf Twitter ein Posting abzusetzen.

Und sollte Ash Barty tatsächlich für den Rest des Jahres in ihrer australischen Heimat verbleiben, würde Jabeur ohnehin in den elitären Kreis von Guadalajara aufgenommen werden.

5.) Wer vom Trio Medvedev, Tsitsipas und Zverev hebt sich ab?

Jeder von ihnen hat im Jahr 2021 einige seiner besten Karrieremomente erlebt. Daniil Medvedev krönte die stetigen Leistungssprünge mit dem Titel bei den US Open. Stefanos Tsitsipas stand in Paris erstmals in einem Grand-Slam-Finale. Und Alexander Zverev konnte dank der davor so vermissten Konstanz endlich sein Potenzial abrufen, das mit höchsten olympischen Würden belohnt wurde.

Rafael Nadal, Novak Djokovic und Roger Federer

Machen „The Big Three“ Platz für die Next Gen?

Nie schien die Tür für die Next Gen so weit offen, noch vor Jahresende ihre Stellung zu behaupten und gleichzeitig das Fundament für den Totalangriff 2022 zu legen. Denn Novak Djoković wirkte bei seiner letztlich gescheiterten Jagd nach dem so heiß ersehnten Kalender-Slam erschöpft, Rafael Nadal und Roger Federer mussten die Saison verletzungsbedingt früh beenden.

Sowohl Medvedev, als auch Tsitsipas und Zverev fühlen sich in der Halle pudelwohl, alle drei haben die ATP Finals schon einmal gewonnen und sind sich der Signalwirkung an die Konkurrenz bewusst, auf der größten überdeckten Bühne zu glänzen.

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Autor: Tobi
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