ATP Ranking: Der Kampf um die Nummer eins

tobi-redaktionTobi
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Schafft Daniil Medvedev die Mammutaufgabe, sich bis Jahresende am Tennisthron zu halten? Ist Rafael Nadal überhaupt fit genug, die Weltranglistenführung zurückzuerobern? Welche Aussichten hat der rekonvaleszente Alexander Zverev auf die Nummer eins? Und was ist mit Novak Djokovic? Vier Monate vor Saisonschluss spitzt sich das Ringen um den Platz an der Sonne zu.

Medvedev tippt auf Nadal

Bei einer seiner Pressekonferenzen während des ATP250er in Los Cabos, das er letztlich gewinnen sollte, nahm der aktuelle Weltranglistenerste Daniil Medvedev auch zum Rennen um die Weltranglistenführung Stellung. „Wenn ich nicht jedes noch ausstehende Turnier gewinne, wird vermutlich Rafa Nadal am Ende des Jahres die Nummer eins sein“, meinte der Russe, der es sich erst im Juni an der Spitze gemütlich gemacht hatte.

infoGanz abwegig ist die These Medvedevs nicht. Derzeit hält er bei 7875 Punkten und hat 3360 in den kommenden fünf Wochen zu verteidigen. Sollte der 26-Jährige diese Woche beim Masters in Montreal das Finale erreichen, würde er zumindest bis zu den US Open den Platz an der Sonne abgesichert haben. Verliert der Titelverteidiger in Kanada allerdings vor dem Endspiel, könnten ihn Rafael Nadal und Carlos Alcaraz beim folgenden ATP1000-Event nächste Woche in Cincinnati überholen.

Zwei Spanier in Lauerstellung

Nadal hat 5620 Weltranglistenzähler auf seinem ATP-Konto, muss aber keine Punkte verteidigen, da er im Vorjahr nach der ersten August-Woche die Saison 2021 verletzungsbedingt beendete. Alcaraz wird im Computer mit 5035 Punkten geführt, 485 davon sind in den bevorstehenden fünf Wochen zu bestätigen.

Medvedev zeigt sich jedenfalls fest entschlossen, am Top-Spot festzuhalten, immerhin startete mit dem US Hardcourt Swing soeben seine liebste und in der Vergangenheit auch profitabelste Zeit des Jahres. „Ich denke schon, dass ich recht lange an der Spitze der Weltrangliste bleiben kann, wenn ich in Nordamerika gut spiele.“

Setzt sich Zverev erstmals auf den Thron?

hinweis ausrufezeichenDie über 52 Wochen berechnete Arithmetik zur Ermittlung des ATP-Rankings wurde in diesem Jahr von äußerst ungewöhnlichen Umständen begleitet, wie etwa der Deportation von Novak Djokovic aus Melbourne oder dem Ausschluss von russischen Profis vom Major in Wimbledon, worauf die Spielervereinigung keine Punkte beim Rasenklassiker vergeben wollte (TennisWetten.de berichtete). Dadurch könnte selbst Alexander Zverev bereits Mitte August die Weltranglistenführung übernehmen, obwohl er in den letzten zwölf Monaten kein Grand-Slam-Finale erreichte.

Sämtliche Kurzzeitkalkulationen beiseite geschoben, legt ein genauer Blick auf die Top 6 der aktuellen Rangliste dar, wie eng das Rennen um die Nummer eins derzeit ist, bevor der nordamerikanische Tennissommer in dieser Woche in Kanada so richtig losstartet.

  1. Daniil Medvedev – der Gejagte
  2. Alexander Zverev – im Wartezimmer
  3. Rafael Nadal – in der Pole Position
  4. Carlos Alcaraz – der gefährliche Underdog
  5. Stefanos Tsitsipas – noch im Rennen
  6. Novak Djokovic – Hoffen auf ein Wunder

Daniil Medvedev – der Gejagte

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ATP-Ranking: Nr. 1, 7875 Pkt.
Race to Turin: Nr. 5, 2825 Pkt.
zu verteidigenden: 5050 Punkte

Daniil Medvedev blühte im Spätsommer der letzten Jahre am linken Atlantikufer stets auf. Doch die erste Saisonhälfte verlief eher durchschnittlich, in Wimbledon war er zum Zuschauen verurteilt, in Los Cabos feierte der Moskauer nun endlich seinen ersten Turniersieg 2022.

Der 14-malige Titelgewinner auf dem ATP-Circuit steht daher vor der Herausforderung, seinen Erfolgslauf von 2021 zumindest zu wiederholen, wenn nicht gar zu übertrumpfen, um sich an der Weltranglistenspitze halten zu können.

In Kanada und bei den US Open holte er im Vorjahr jeweils den Titel, zudem erreichte er in Paris-Bercy und bei den ATP Finals das Endspiel. Bis zur Schlussabrechnung gilt es 5050 Punkte zu verteidigen, was eher unwahrscheinlich sein dürfte – oder wie Mevedev selbst meint, müsste er so ziemlich jedes Turnier gewinnen, bei dem er antritt.


Alexander Zverev – im Wartezimmer

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ATP-Ranking: Nr. 2, 6760 Pkt.
Race to Turin: Nr. 6, 2700 Pkt.
zu verteidigenden: 4060 Punkte

Ähnlich wie Medvedev hat auch Sascha Zverev in der zweiten Saisonhälfte 2021 sehr viele Ranking-Punkte gesammelt, die er in den letzten vier Monaten dieses Jahres zu halten versuchen wird. Im Gegensatz zur Nummer eins der Welt kann Deutschlands Bester nach seinem in Paris erlittenen, multiplen Seitenbandriss im Sprunggelenk derzeit aber nicht spielen.

Der Hamburger, der zuletzt in der Wahlheimat Monte Carlo wieder das On-Court-Training aufnahm, musste für die Canadian Open zurückziehen, sein Start in Cincinnati ist überaus fraglich, auf ein Antreten in Flushing Meadows hofft der 25-Jährige noch leise.

Mit ungewissem Comeback-Termin und 4060 zu verteidigenden Punkten deutet die Richtung im Ranking also eher nach unten als nach oben.


Rafael Nadal – in der Pole Position

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ATP-Ranking: Nr. 3, 5620 Pkt.
Race to Turin: Nr. 1, 5620 Pkt.
zu verteidigenden: 0 Punkte

Sein Unglück, das letzte Drittel der vergangenen Saison verletzungsbedingt verpasst zu haben, könnte sich für Rafael Nadal zwölf Monate später als Segen erweisen – wenn er seinen eigenen Turnierplan diesmal tatsächlich einhält. Der Spanier hat jedenfalls keine Punkte bis Jahresende zu verteidigen.

Letzte Woche musste der 22-fache Grand-Slam-Champion aber wieder einen Rückschlag hinnehmen: Eine Bauchmuskelverletzung, die ihn schon in Wimbledon zur Aufgabe gezwungen hatte, wurde neuerlich akut und verhinderte kurzfristig ein Antreten in Montreal.

In Cincinnati und bei den US Open wird Nadal aber wieder erwartet. Allein bei diesen zwei Top-Events liegen 3000 Ranking-Zähler auf dem Tableau.

Seine beiden Major-Titel 2022 haben den Linkshänder an die Spitze des Race to Turin katapultiert. Die Ausgangslage, sich zum sechsten Mal am Ende des Jahres an der Weltranglistenspitze zu finden, ist blendend – selbst wenn er immer wieder behauptet, das Ranking habe für ihn keine Priorität mehr.


Carlos Alcaraz – der gefährliche Underdog

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ATP-Ranking: Nr. 4, 5030 Pkt.
Race to Turin: Nr. 2, 4270 Pkt.
zu verteidigenden: 765 Punkte

Längst nicht mehr „the New Kid on the Block“, hat sich Carlos Alcaraz auf Platz zwei im Ringen um die Tickets für Turin hochgearbeitet, wo am Ende des Jahres die ATP Finals stattfinden. Einzig Landsmann Nadal hat in dieser Saison bisher erfolgreicher agiert.

Mit zwei Masters-Triumphen, einem ATP500-Titel und zwei weiteren Finals hat der 19-Jährige einen Polster auf die weit erfahreneren Rivalen aufgebaut. Und Alcaraz dürfte im Kampf um den Tennisthron vor der Winterpause sogar Nadal ernsthaft gefährlich werden, muss der Mann aus El Palamar in der Restsaison doch nur mehr 765 Punkte aus dem Vorjahr bestätigen.

Ein gutes Abschneiden in Flushing Meadwos oder ein weiterer Masters-Titel könnten bereits reichen. Im April gewann der Teeanger auf dem Harcourt von Miami, warum also nicht?


Stefanos Tsitsipas – noch im Rennen

ATP-Ranking: Nr. 5, 5000 Pkt.
Race to Turin: Nr. 3, 4010 Pkt.
zu verteidigenden: 990 Punkte

Nur allzu oft in diesem Rennen übersehen, liegt Stefanos Tsitsipas mit zwei Turniersiegen, zwei Finals und ein Grand-Slam-Semifinale in der Qualifikation für die ATP Finals auf Rang drei. Und der in dieser Saison eher unauffällige Grieche trägt nur knapp 1000 Punkte Vorjahresballast in den Herbst, bekommt daher eine Menge Möglichkeiten, an besser gereihten Konkurrenten vorbeizuziehen.

Kurzfristig betrachtet genügen dem neunmaligen Trophäengewinner auf der ATP-Tour rund 800 Zähler auf dem North American Swing, um seine Ranking-Position vor den im September startenden Hallen-Bewerben zu halten.


Novak Djokovic – Hoffen auf ein Wunder

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ATP-Ranking: Nr. 6, 4770 Pkt.
Race to Turin: Nr. 10, 1970 Pkt.
zu verteidigenden: 2800 Punkte

Wer sich fragt, wo Novak Djokovic bei all diesen Rechenspielen bleibt, so belegt der 35-Jährige aktuell lediglich Rang sechs im ATP-Computer und gar nur Platz zehn im Race to Turin. Nachdem er 2021 um einen Hauch am Kalender-Slam vorbeigeschrammt war, gestaltete der Serbe sein Restprogramm im Herbst äußerst dünn, und trotzdem hat er jede Menge Holz zu verteidigen.

Die 1200 Punkte für das US-Open-Finale fallen aufgrund des von der amerikanischen Regierung verhängte Einreiseverbots für ungeimpfte Ausländer wohl fix weg, zudem kann er in Montreal und Cincinnati, wo er im Vorjahr fehlte, sein Konto nicht aufstocken. Ein weiterer Absturz scheint garantiert – es sei denn, ein Wunder erlaubt ihn doch noch, in diesem Sommer in die Vereinigten Staaten zu reisen.

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Autor: Tobi
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