Jelena Ostapenko: Angsteinflößendes Energiebündel

tobi-redaktionTobi
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Knapp fünf Jahre nach ihrem French-Open-Triumph scheint Jelena Ostapenko wieder den Anschluss an die Weltspitze gefunden zu haben. In Dubai zwang die 24-Jährige, die lange mit dem Selbstvertrauen gehadert hatte, gleich vier Grand-Slam-Siegerinnen in die Knie. Teilzeitcoach Marion Bartoli glaubt, dass die Lettin ihren Gegnerinnen gar Angst einjagt.

Ungewöhnlich positiver Saisonstart

Vergangene Woche räumte Jelena Ostapenko in Dubai vier Grand-Slam-Siegerinnen aus dem Weg, um ihren fünften Titelgewinn auf der WTA-Tour zu erringen. In drei dieser Matches musste die 24-Jährige gar einen Satzrückstand wettmachen. Für Trainerin Marion Bartoli beweist der Triumph in der Wüste, dass ihr Schützling endlich zurück zu alter Stärke gefunden hat.

Tennis Wetten IconBis auf den Auftakt in Sydney hat sie bisher das ganze Jahr gut gespielt. Und mit ihrer aggressiven Herangehensweise ist es zu Saisonbeginn nie leicht für sie, den Rhythmus zu finden“, erklärt die Französin, die Ostapenko seit Ende 2019 betreut. „In Dubai hat man von der ersten Runde an gegen Sofia Kenin gemerkt, dass sie den Ball extrem sauber trifft.“

Mentale und körperliche Topform

Besonders stolz zeigte sich die Wimbledon-Siegerin von 2013, die seinerzeit Sabine Lisicki im Endspiel bezwungen hatte, über die mentale Stabilität der Lettin. „Gegen große Spielerinnen verliert sie während der Partie oft die Konzentration. Doch diesmal hat sie mich beeindruckt.“ So schlug etwa Viertelfinalgegnerin Petra Kvitová mehrmals auf den Matchgewinn auf, verlor aber letztlich 9:11 im entscheidenden Tiebreak.

Die spielerischen Highlights der späteren Turniersiegerin Jelena Ostapenko.


Davor war schon Iga Świątek beim hochkarätig besetzten WTA-500-Event an Ostapenko zerbrochen, im Semifinale scheiterte Simona Halep. „Eine viel härtere Auslosung kannst du nicht bekommen“, weiß Bartoli, die neben der Weiterentwicklung im mentalen Bereich auch die Fitness ihrer Spielerin hervorhebt. Denn nebenbei erreichte die aktuelle Nummer 13 der Einzelweltrangliste mit der Ukrainerin Ljudmyla Kitschenok in Dubai auch das Doppelfinale.

„Eine viel härtere Auslosung kannst du nicht bekommen.“
– Trainerin Marion Bartoli über den Weg zum Sieg, der über Sofia Kenin, Petra Kvitová, Iga Świątek und Simona Halep führte.

Erfolgsrezept: Keep it simple

Nach ihrem Titelgewinn in Roland Garros 2017 war die für attraktives Angriffstennis stehende Rechtshänderin, die mit jedem Schlag Risiko zu nehmen bereit ist und keine Gefangenen macht, in ein Loch gefallen. Als Ostapenko zweieinhalb Jahre später Bartoli um Hilfe bat, fand sie sich auf Position 90 im Ranking wieder. „Die eigene Erwartungshaltung und der Druck von außen waren nach einem derartigen Triumph natürlich gewaltig. Also musste ich in erster Linie ihr Selbstvertrauen neu aufbauen.“

Den Fokus legte die Übungsleiterin zunächst auf die ohnehin funktionierenden Schläge: „Aljona spielt immer mit enorm viel Feuer. Und manchmal hat man das Gefühl, dass sie über zu viele taktische Optionen verfügt. Deshalb wollten wir ihr Spiel einfach halten, um sich ganz auf ihre Hauptwaffen verlassen zu können.“

In Dubai befürchtete das Energiebündel aus Riga allerdings, dass ihr Plan schnell durchschaut werden könnte. „Mir ist es aber darum gegangen, ihr Konstanz zu verleihen“, sagt Bartoli, die aufgrund ihrer Mutterrolle Ostapenko nur zu ausgewählten Turnieren begleitet. „Und wenn die Schläge kommen, sind sie so schnell und nah an die Linien gespielt, dass die Gegnerinnen die Bälle kaum retournieren können. Warum also die Taktik ändern, wenn sie aufgeht?

jelena-ostapenko-08-02-2022-st-petersburg-1024x683Jelena Ostapenko bei den St. Petersburg Open im Februar 2022.MehrWeniger

Gegnerinnen haben Angst

Die Trainerin weiß wovon sie spricht, legte sie ihre Matches ja einst sehr ähnlich an. „Ich kann mich in Aljonas Kopf gut hineindenken und weiß, was sie vorhat: einen aggressiven Return spielen und beim zweiten Aufschlag sofort auf den Winner gehen.“

Als ehemaliger French-Open-Champion kann der Anspruch ohnehin nur lauten, weitere Grand-Slam-Trophäen ins Visier zu nehmen. Schon damals war Ostapenko, die nicht unbedingt zu den beliebtesten Spielerinnen auf der Tour zählt, für ihre unnachgiebige Verbissenheit gefürchtet. Bartoli: „Ich glaube, dass alle Spielerinnen Angst haben, gegen sie zu spielen.“

„Ich glaube, dass alle Spielerinnen Angst haben, gegen sie zu spielen.“
– Marion Bartoli über ihren Schützling.

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Autor: Tobi
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