Naomi Ōsaka: Eine herausfordernde Zukunft

tobi-redaktionTobi
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Auch ohne regelmäßige Turniereinsätze avancierte Naomi Ōsaka in den letzten Jahren auf und neben dem Tenniscourt zu einem absoluten Superstar des Weltsports. Der unvermeidlich damit einhergehende öffentliche Druck, der die Japanerin psychisch stark zu belasten scheint, dürfte bei ihrem Comeback aber keineswegs geringer werden.

Turbulentes Achterbahnjahr

Obwohl Naomi Ōsaka nach ihrer Drittrunden-Niederlage bei den US Open gegen die spätere Finalistin Leylah Fernandez lange keinen Schläger mehr angriff, genügt ein Blick auf ihren Instagram-Account, um am Laufenden zu bleiben. Und prompt findet man entlarvende Fotos des launenhaften Champions auf dem Tenniscourt, in voller Trainingsmontur, zum Loslegen bereit.

Anfang Oktober fiel die Japanerin nach 140 aufeinanderfolgende Wochen in den Top 10 der Weltrangliste aus diesem elitären Kreis, lange war sie in dieser Zeit sogar auf dem Platz an der Sonne gestanden. Das Abrutschen im WTA-Ranking markierte auch das Ende turbulenter zehn Monate, die mit ihrem vierten Grand-Slam-Titel bei den Australian Open begannen und mit dem Malträtieren ihres Rackets und Ansätze eines emotionalen Kollaps im New Yorker Arthur Ashe Stadium einen unrühmlichen Tiefpunkt fanden.

Aktive Nutzerin sozialer Medien

Naomi Osaka

Naomi Osaka

Bis Anfang November, als sie den erwähnten Instagram-Post absetzte, hatte sich Ōsaka über die sozialen Netzwerken in glamouröser Aufmachung an ausgefallenen Plätzen präsentiert. Und sie bewarb intensiv Produkte ihrer umfassenden Liste an finanzkräftigen Sponsoren. Fanseiten vermelden, dass sich die 24-Jährige derzeit so wohl fühlt wie nie. Nur fühlen sich Grand-Slam-Gewinner in der Regel am Tenniscourt am wohlsten und ergänzen lediglich dieses selbstgewählte Leben mit ihren eigenen Interessen – frag nach bei den Williams-Schwestern oder Roger Federer.

Schon bevor Ōsaka bei den diesjährigen French Open eine breite Kulturdebatte auslöste, indem sie erklärte, an keinen Pressekonferenzen mehr teilnehmen zu wollen, schien sie nie in der Komfortzone eines Superstars angekommen zu sein. Das erste Zeichen, dass sie von ihrer Rolle der Gejagten wenig begeistert war, lieferte die Powerhitterin nach ihrem Melbourne-Triumph 2019, der sie an die Spitze der Weltrangliste katapultiert hatte.

Stress im Scheinwerferlicht

Zunächst trennte sich die neue Nummer eins von ihrem Münchner Coach Sascha Bajin, der sie von Platz 72 im Ranking nach ganz oben geführt hatte. Dass die Beendigung der überaus erfolgreichen Zusammenarbeit per knappem Tweet verkündet wurde, nur 17 Tage nach dem Erringen ihres zweiten Majors, sorgte in der Tennis-Community zusätzlich für Verwunderung.

Ōsaka gestand in den folgenden Monaten, mit dem öffentlichen Druck nicht gut zurechtzukommen. „Mental verursacht die Nummer-eins-Position weit mehr Stress als ich mir hätte vorstellen können“, sagte sie in jenem Jahr vor Turnierstart in Wimbledon. „em>Ich glaube nicht, dass mich irgendetwas darauf hätte vorbereiten können.“ Zwei Tage später betrat sie den heiligen Rasen in London, flog gleich in der Auftaktrunde raus und musste die Weltranglistenspitze wieder räumen.

„Mental verursacht die Nummer-eins-Position weit mehr Stress als ich mir hätte vorstellen können.“
– Naomi Ōsaka.

Andere Legenden des Sports mussten in der Vergangenheit ähnliche Rückschläge erleiden, ehe sie mit voller Kraft zurückschlugen. Ōsaka selbst gelang dieses Kunststück zunächst relativ schnell mit aufeinanderfolgenden Grand-Slam-Siegen bei den US Open 2020 und den Australian Open 2021, ehe der Faden wieder riss.

Ranking könnte Comeback erschweren

infoIn Zukunft wird sich die Herausforderung differenzierter darstellen. Einerseits steht ein dickes Fragezeichen hinter ihrer Fitness. Die siebenfache Turniergewinnerin, die erst im November das Schlagtraining wieder aufgenommen hat, blickt auf eine Saison mit nur 24 bestrittenen Matches zurück. Und nur bei der Veranstaltungen konnte sie mehr als zwei Partien gewinnen – bei den ersten drei in Australien und Miami.

Zum anderen sollte Ōsaka darauf achten, nicht allzu lange der Tour fernzubleiben. Eine anhaltende Turnierpause würde sie im Ranking abstürzen lassen, das inzwischen keine positionsschützenden Sonderregelungen aufgrund der Coronavirus-Pandemie mehr vorsieht. Sollte die aktuelle Nummer 13 der Welt also Rost ansetzen und im WTA-Computer so weit zurückfallen, dass sie bei den großen Events nicht gesetzt ist, wird sich der Weg zurück zur Spitze als steil herausstellen.

Weniger Tennis, mehr Einnahmen

hinweis ausrufezeichenDie ständige Präsenz in den sozialen Medien und die Promotion-Aktivitäten für ihre Geldgeber hielten Ōsaka im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Doch könnte die zuletzt sportlich ruhigere Zeit ganz andere Konsequenzen mit sich bringen: Laut Recherchen des Nachrichtendienstes Yahoo! nahm die Tochter einer Japanerin und eines Haitianers im Finanzjahr 2020/21 über 55 Millionen Dollar ein, rund 20 Millionen mehr als Serena Williams. Der gefeierte Gymnastik-Superstar Simone Biles, die Nummer drei unter den bestverdienenden Sportlerinnen, kam auf etwa ein Zehntel dieser Summe. Diese kaum greifbaren Zahlen machen es für Otto Normalbürger freilich schwerer, viel Mitleid mit dem schüchternen Tennisass zu empfinden.

Bohrende Fragen der Medien beantworten zu müssen, würden sie psychisch enorm belasten, meint Ōsaka. Sie sollte allerdings darauf vorbereitet sein, bei ihrem Comeback mit einer ganzen Menge davon konfrontiert zu werden.

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Autor: Tobi
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