Mission Kalender-Slam: Djoković und der mentale Fokus

tobi-autor-portraitTobi
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Zum zweiten Mal in seiner Karriere hat Novak Djoković noch in Wimbledon die Chance, den Traum vom Gewinn aller Major-Titel in einer Saison aufrechtzuerhalten. Um die historische Mission nicht scheitern zu lassen, zieht der Weltranglistenerste seine Lehren aus der Vergangenheit.

Wie viel Gewicht hat Erfahrung?

16 Grand-Slam-Matchsiege in Serie – und 16 in Wimbledon. Man sollte meinen, Novak Djoković habe den Dreh jetzt raus. Doch selbst der Weltranglistenerste gesteht, dass er noch einiges lernen könne auf seiner Mission, zum ersten männlichen Tennisspieler seit Rod Laver 1969 zu avancieren, der die ersten drei Majors der Saison gewinnt.

Der Kalender-Slam scheint für den Serben, wie schon 2016, in realistischer Reichweite zu sein. Diesmal dürfte Djoković sogar weitaus bessere Karten in der Hand halten als in London vor fünf Jahren. Ob Erfahrung den ganz großen Unterschied ausmachen kann, bleibt abzuwarten, doch zählt Routine allemal.


Soviel Zeit muss sein: Aus London setzt Djokovic ein humorvolles Instagram-Posting ab.

Zwölf Matchsiege vom Grand Slam entfernt

Im besagten Jahr 2016 stand Djoković an der exakt selben Position wie heute: Nach seinem premieren Triumph in Roland Garros und den vierten aufeinanderfolgenden Major-Titel hatte er soeben den Nole-Slam vollendet wie auch die ersten zwei Runden in Wimbledon überstanden, lediglich zwölf Matchsiege fehlten ihm auf den Kalender-Slam.

Doch aufmerksame Beobachter vermuten, sein Tank sei damals wesentlich leerer gewesen als er dies im Sommer 2021 der Fall ist. Mit dem damaligen Zweitrundenerfolg im All England Club hatte Djoković seine Siegesserie bei Grand-Slam-Turnieren auf 30 ausgedehnt, doch plötzlich und unerwartet stieß er an seine Grenzen. Die Überwindung selbiger verhinderte schließlich der US-Aufschlaggigant Sam Querrey in der folgenden Runde.

Fokus der Schlüssel zum Erfolg

Es ist ein unglaubliches Gefühl, vier Grand-Slam-Trophäen gleichzeitig zu halten“, so der Djoker damals bei der Pressekonferenz nach der Niederlage. „Ich wusste, dass es nicht leicht wird, mich nach einem derartigen Meilenstein in Wimbledon mental neu zu motivieren. Doch aufgrund der immensen Bedeutung des Turniers findet man immer Wege, sich zu pushen, sich vorzubereiten und sein Bestes zu geben. Offensichtlich war mein Bestes heute nicht gut genug.“

Im Anschluss an seinen überzeugenden 6:3, 6:3, 6:3 am Mittwoch gegen den Südafrikaner Kevin Anderson, seines Zeichens Wimbledon-Finalist 2018, blickte Djokovic im Gespräche mit den internationalen Medienvertretern auf das Turnier 2016 zurück. „Ich habe schon im Vorfeld gesagt, dass ich versuchen werde, aus jenen Erfahrungen zu lernen. Ich habe mich damals großartig gefühlt, habe großartig gespielt, die ersten zwei Grand Slams des Jahres gewonnen. An dem Tag hatte ich aber einen starken Gegner und war der eindeutig schlechtere Spieler.“

Djokovic im Interview nach Runde zwei: Das vollständige Video zur Pressekonferenz.


Positive Ausstrahlung am Platz

Der 19-fache Major-Gewinner offenbart, sich geistig satt gefühlt zu haben und diesmal nüchterner mit der Situation umgehen zu wollen. Bisher scheint ihm sein Vorhaben zu gelingen. Der 34-Jährige agierte in den ersten zwei Matches keineswegs brillant, hatte aber auch in seiner komplizierten Auftaktpartie gegen den britischen Wildcard-Holder Jack Draper stets die Kontrolle über das Geschehen, zudem wirkte er extrem fokussiert und positiv.

Djokovic vs Draper: Die Highlights aus dem Erstrundenmatch.


Djoković macht defintiv den Eindruck eines Athleten, der bereit ist, diese enorme Aufgabe zu bewältigen, ein großes Kapitel in die Geschichtsbücher des Weltsports zu schreiben.

Gefühl stimmt

Diesmal spüre ich ein anderes Kribbeln. Vor fünf Jahren war ich vielleicht schon etwas platt“, beschreibt der 84-malige ATP-Champion, wie er Wimbledon 2016 erlebte. „Ich will nicht behaupten, dass es an Motivation gemangelt hat. Weil in Wimbledon zu spielen, ist für jeden Tennisspieler ein Traum, auch für mich. Das Gefühl war nur anders. Ich war ja zum ersten Mal in so einer Lage. In diesem Jahr bin ich, hoffe ich zumindest, etwas weiser und vermutlich auch als Spieler und Mensch gewachsen.“

„Diesmal spüre ich ein anderes Kribbeln.“
– Djoković ist vorsichtig optimistisch.

Dennoch ist sich Djoković bewusst, dass erst zwei Matches gespielt sind. „Ich habe noch einen sehr langen Weg vor mir. Ich will in diesem Turnier weit kommen, das ist mein Ziel. Aber bisher bin ich mit meinem Tennis sehr zufrieden.“

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Autor: Tobi
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